Guido und Kai
und
Etrich und die Taube

Ein Traum, den sich unser Kai und Guido erfüllten

 

 

01/2010

 

Auszug aus dem FMT Bauplan

 

Die Flugsaison 2009 war großartig, und die Bausaison fängt an. Da kein Totalverlust zu beklagen, und daher kein Ersatz zu bauen war, stand ich vor dem Luxusproblem „was baue ich“?

 

Echt schwer, da fallen mir die Träume von als-ich-vier-war ein: Doppeldecker mit Gitterrumpf, drahtverspannte Flügel, Gebrüder Wright, die Pionierjahre, Zündaussetzer, Abenteuer. Und Gerd Fröbe in „Die tollkühnen Männer in Ihren fliegenden Kisten“. Erst starten und dann die Anleitung lesen.

Super das muss es werden!

 

Bücher und Modellbauzeitschriften werden gewälzt, Abend um Abend, vorwärts, rückwärts und quer. In der FMT 4/2003 wurde ich fündig, ein Bauplan für ein Modell der Etrich Taube von 1910  als Slowflyer für die Halle. Das soll es werden!

 

Die Etrich Taube war ein recht erfolgreiches Flugzeug, in 10 Werken in Europa wurden ab 1910 insgesamt etwa 500 Stück gebaut. Ein Eindecker mit Baumwollstoff bespanntem Gitterrumpf, mit vielen Verspannungen. Spannweite 14.35 m und ein Abfluggewicht von 870 kg, 6-Zylinder, Wassergekühlter Reihenmotor mit 100 Ps, zwei Sitzplätze.

 

Das Modell hat 1m Spannweite und 140g Abfluggewicht. Zum Vergleich denke ich an meinen Doppeldecker für den Außeneinsatz, gleiche Spannweite von 1 m und ein um den Faktor 19 höheres Abfluggewicht von 2560g.

Der Bauplan zeigt Leistchen 1.5 x 1.5 mm Balsa mit geschwungenen Formen.

 

Ähm, vielleicht doch etwas anderes?

An meinen Händen befinden sich Wurstfinger und keine Chirurgenwerkzeuge!

Nein! Na, ganz klar, da muss ein anderer „Jeck“ mit ran:
Geteiltes Leid ist halbes Leid.

 

Also die Zeitschrift ins Auto und ab zu Guido. Ich hatte Glück, während wir gemeinsam nach Modellflugzeugen mit Pulsorohren surften, schlug ich mal kurz die Hochglanzbilder auf- den Bauplan klappte ich gar nicht erst auf. Ziemlich beeindruckend huschte ein Delta mit einem Pulsorrohr von links nach rechts über den Bildschirm, und Guido sagte:

„Ja, fangen wir nächste Woche an, und schau mal das Video, da geht das Pulsorohr so richtig ab.“

Super, der Jeck ist gefunden, und mir wird mulmig: Es geht los!

 

Die Zeitschrift habe ich dann wohlweislich wieder mit nach Hause genommen. In der nächsten Woche konnte ich nicht mehr verhindern, dass Guido einen Blick auf den Bauplan warf. Das Verhängnis nahm seinen Lauf, delikate Details sollen hier nicht wiedergegeben werden. Jedoch möchte ich ein paar Kommentare aus Guido's Keller anführen als Warnung für den Leser, der geneigt sein mag, uns gleich zu tun:

 

„Wie viel Rippen müssen wir noch Schneiden? 123? Ich hab schon keine Lust mehr.“

(In weiser Voraussicht haben wir 20 mehr geschnitten, aber wir waren nicht weise genug)

„Oh …, mir ist wieder eine Rippe zerbrochen?“

(22 Ersatzrippen wurden zusätzlich gebraucht)

„Mir tun die Finger vom Stecken der Stecknadeln weh.“

(Es wurden mehr gesteckt, als dass ich zählen kann. Müssen also etwas mehr als 10 gewesen sein)

„Schon wieder ist was gebrochen “-“ Hier, der Kleber.“

(2 Tuben Kleber zu je 35 g wurden verbraucht)
„Wie meint der Bauplan denn das schon wieder? “-“ Was nicht passt wird passend gemacht.“ (Fahrwerk? Unterlegen der Flügel? Seitenwände geneigt und gebogen? ...)

„Autsch, mein Finger“

(wir haben noch alle 10 Finger, beide!)

„Mit Papier bespannen? Das verzieht sich wie ein Flitzebogen.“

(Ist passiert, aber wir sind starke Jungs und haben es passend gemacht.)

 

Lange Rede kurzer Sinn, wir haben uns gegenseitig in unsern Bedenken bestärkt und regelmäßig weitergemacht. Der Stoß-mich-zieh-dich-Effekt war phänomenal.

Und das Ergebnis ist toll, wie sich die Gitterkonstruktion und die Rippen durch die Papierbespannung abzeichnen. Der Aufwand hat sich gelohnt.

 

Und dann diese geschwungen Fläche. Ob das wohl fliegt?

 

Den ausführlichen Baubericht gibt es in der FMT4/2003 daher hier nur drei Tipps zum Bau:

 

Scharniere:

Warum lange nach Scharnieren suchen, die für Stäbchen 1.5x1.5 mm geeignet sind. Wir haben die Ruder einfach mit Bespannpapier an den Flossen angeschlagen.

 

Papierbespannung:

Für die Papierbespannung haben wir wasserlöslichen Parkettlack verwendet, d.h. keine Stinkerei. Ansonsten wie bei Spannlack vorgehen. Auch hier gilt, die Teile sollten beim Trocknen aufgespannt bleiben, um Verzug zu verhindern. Keinen Siemens-Freilufthaken verwenden!

 

Rippen schneiden

Nach Plan wird zum Schneiden der Rippen eine Lehre gebaut, durch die das Balsabrettchen geschoben wird, bis es auf der Schneidseite um 1.5 mm über der gesamten Länge übersteht. Diesen Überstand schneidet man ab und fertig ist die Rippe. (Na, ja die halbe, eine Rippe besteht aus Ober- und Unterseite.)

Guido hatte die Lehre mit zwei Tropfen Sekundenkleber auf dem Baubrett festgeklebt und mit 1.5mm Abstand zur Schneidkante zwei Anschlagblöcke geklebt. Damit ließen sich dann für die zwei Flieger die 150 Rippen ruck- zuck in 2 h mit gleichmäßiger Dicke schneiden.

 

Und nun zu den Bildern mit "ein paar" Bauimpressionen:

 

 

 

Und jetzt ab in die große Halle...

 

....und beide Modelle fliegen super schön

 

 

Holm- und Rippenbruch

Der Verfasser dieser Zeilen

Kai